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Neujahr

Neujahr

Roman

Info

Lanzarote, am Neujahrsmorgen: Henning sitzt auf dem Fahrrad und will den Steilaufstieg nach Femés bezwingen. Seine Ausrüstung ist miserabel, das Rad zu schwer, Proviant nicht vorhanden. Während er gegen Wind und Steigung kämpft, lässt er seine Lebenssituation Revue passsieren. Eigentlich ist alles in bester Ordnung. Er hat zwei gesunde Kinder und einen passablen Job. Mit seiner Frau Theresa praktiziert er ein modernes, aufgeklärtes Familienmodell, bei dem sich die Eheleute in gleichem Maße um die Familie kümmern. Aber Henning geht es schlecht. Er lebt in einem Zustand permanenter Überforderung. Familienernährer, Ehemann, Vater – in keiner Rolle findet er sich wieder. Seit Geburt seiner Tochter leidet er unter Angstzuständen und Panikattacken, die ihn regelmäßig heimsuchen wie ein Dämon. Als Henning schließlich völlig erschöpft den Pass erreicht, trifft ihn die Erkenntnis wie ein Schlag: Er war als Kind schon einmal hier in Femés. Damals hatte sich etwas Schreckliches zugetragen - etwas so Schreckliches, dass er es bis heute verdrängt hat, weggesperrt irgendwo in den Tiefen seines Wesens. Jetzt aber stürzen die Erinnerungen auf ihn ein, und er begreift: Was seinerzeit geschah, verfolgt ihn bis heute.

Hörprobe

Pressestimmen

»Weil beides, der Thriller und die Gesellschaftsanalyse, hier so dicht ineinandergreifen, ist ›Neujahr‹ vielleicht Juli Zehs bislang bestes Buch.«
Karin Janker / Süddeutsche Zeitung
»Mit leichter Feder kombiniert Juli Zeh eine kluge Meditation über moderne Männerrollen mit einem düsteren Buch über ein Kindheitstrauma zum Psychothriller.«
Denis Scheck / Der Tagesspiegel
»Mit ›Neujahr‹ erbringt Juli Zeh den Beweis, dass sich gute Unterhaltung problemlos mit inhaltlichem Tiefgang und literarischer Qualität verbinden lässt.«
Luzia Stettler / Radio SRF 2 Kultur
»Ein beeindruckendes Spiel mit verschiedenen Zeit-, Wahrnehmungs- und Realitätsebenen.«
Jörn Meyer / BuchMarkt
»Eine emotionale Tour de Force in die Vergangenheit, ein Ritt, der einen mitreißt und erschöpft, aber bereichert zurücklässt. Kurz - und trotzdem gut.«
Christine Ritzenhoff / emotion
»Klug analysiert Juli Zehs ›Neujahr‹, wie die Kindheit unser Lebensgefühl prägt.«
Nido
»Auf der Hälfte kippt Juli Zehs kunstvoll konstruierter Familienroman in einen Psychothriller.«
Ute Büsing / rbb Inforadio
»Wenn man die Familie als Keimzelle der Gesellschaft betrachtet, ist auch dieses fesselnde Buch eine Art Gesellschaftsroman.«
Birgit Nüchterlein / Nürnberger Nachrichten

Leserstimmen

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(Durchschnittliche Bewertung / 1 Kundenrezensionen)
Fraedherike, 02. Dezember 2019
Unglaubliches Sprachtalent
"Wenn er versucht, falsche Gedanken zu vermeiden, rennt er wie ein gehetztes Reh durch den eigenen Kopf.“

Neujahr von Julie Zeh ist im November 2019 als Taschenbuchausgabe bei btb erschienen. Am Neujahrsmorgen bezwingt Henning mit einem Fahrrad die Steilauffahrt nach Femés und reflektiert derweil über sein Leben. Eigentlich ist alles in Ordnung, seiner Familie geht es gut, doch er befindet sich in einem unausweichlichen Dauerzustand: Familienernährer, Vater, Ehemann, und ES - seine Panikattacken. Als er schließlich die Spitze des Hangs erreicht, ist Henning körperlich am Ende, bricht zusammen und bemerkt, dass er hier schon einmal war. Erinnerungen brechen über ihn herein und die erschreckende Erkenntnis über die Tragödie, die sich damals zugetragen hat. Da merkt er, dass ihn das, was er zu verdrängen versucht hat, bis heute verfolgt.

Wie im Rausch erzählt Julie Zeh die Geschichte von Henning in der Gegenwart, der nahen und der fernen Vergangenheit. Eindrucksvoll beschreibt sie seine Sorgen und Gedanken, was ihn bewegt und ängstigt, womit er umgehen und was er erleiden muss. Erfolgreich hatte er bis zum gemeinsamen Familienurlaub auf Lanzarote verdrängt, dass er bereits einmal dort war und sich Schreckliches zugetragen hat. Durch diese Hilflosigkeit und das Wissen um die Vergangenheit wird unterschwellig eine gewaltige Empathie erzeugt und der Leser zum Reflektieren angeregt. Bis zuletzt ist nicht klar, ob sich die Ereignisse wirklich so zugetragen haben mögen, oder das Ergebnis der Fantasien des dehydrierten Mannes sind. Schließlich kommt er jedoch in einem offenen Ende scheinbar zu einer Erkenntnis. Die so erhaltene Spannung hat mich berauscht durch die Geschichte getragen und in Atem gehalten.
Julie Zeh weiß mit Worten umzugehen, mit ihnen zu spielen und auf den Punkt Gedanken und Wendungen einzubringen. So ist dieser Roman inspirierend, erschreckend und ergreifend zugleich, erfordert jedoch die uneingeschränkte Aufmerksamkeit des Lesers.

Vielen Dank an den btb Verlag für das kostenlose Rezensionsexemplar.

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